Die Bahnreise – Mit der Bahn kann man große Entfernungen sicherlich preiswerter überwinden, als mit dem PKW. Für die Zukunft, ab dem 01.09.2011, ändern sich sogar für Nahverkehrszüge die Bedingungen zur Nutzung erheblich. Sie werden kostenlos für schwerbehinderte Menschen. Dennoch braucht man bei der Vorbereitung einer Bahnreise für einen Reisenden im Rollstuhl starke Nerven. Der gesamte Informationsbereich über barrierefreies Reisen mit der Bahn ist in trockenem Gesetzesstil gehalten. Den Ursprung als Staatsbetrieb kann die Bahn AG noch immer nicht verheimlichen. Man benötigt also etwas Geduld, um aus den teilweise überflüssigen und weitschweifigen gesetzlichen Bestimmungen und den immer wieder zitierten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (Beförderungsbedingungen) der Bahn AG zu entnehmen, was man eigentlich sucht.
Hat man sich erfolgreich durchgewühlt, stößt an auf ein Serviceangebot für Ein-, Aus- und Umstiegs Hilfen. Dabei werden im Vorfeld der Reise Mitarbeiter der Bahn AG organisiert, die mit Hubwerkzeugen ausgerüstet sind und beim Einlaufen des Zuges zur Verfügung stehen. Der Service ist lobenswerter Weise kostenlos. An manchen Bahnhöfen ist der Service leider nicht verfügbar. Ursachen dafür sind entweder Fehlen der technischen Möglichkeiten, fehlendes Bahnpersonal oder eben Beides. Die Bahn AG tut jedoch ihr Möglichstes und bietet die Vermittlung eines helfenden Subunternehmers an. Es ergeht dabei allerdings auch der Hinweis, dass dieser dann seine Leistung vor Ort abzurechnen gedenkt. Der Transport des Rollstuhls ist bei der Bahnfahrt natürlich kostenlos inbegriffen. In den Beförderungsbestimmungen wird auf die Einhaltung von Normen nach Din und bestimmte maximale Abmessungen verwiesen.
Es wird aber wohl nur einen geringen Personenkreis geben, der diesen Bestimmungen zum Opfer fallen wird. Kommen wir zum Verlauf der Reise im Zug selbst. Einige Zug Arten des Nah- und Regionalverkehrs sind eher ungeeignet für die Beförderung von Rollstuhlfahrern. Die Fernzüge sind ausnahmslos geeignet, bringen aber erhebliche Einschränkungen mit sich. Die Gänge sind schmal, die Übergänge von Waggon zu Waggon problematisch. Bei genauer Betrachtung ist man auf das eigene Zugabteil begrenzt. Die Toilettenbenutzung ohne Hilfe bei der Wegbewältigung dorthin, ist mit Schwierigkeiten verbunden. Lange Zugfahrten sind demnach kein ungetrübtes Vergnügen. Der Besuch des Speisewagens wird in den meisten Fällen aus den genannten Gründen schwierig werden oder ausscheiden. Das Bahnpersonal wird jedoch die Versorgung am Sitzplatz sicher stellen.
Vergessen wollen wir auch nicht, dass bei der Bahnfahrt auch der Weg vom Wohnsitz zum Bahnhof und nach der Ankunft der Weg zur Unterkunft bewerkstelligt werden muss. Auf diesen beiden Wegen hat man es auch mit seinem Gepäck zu tun und muss es transportieren. Wer das nicht möchte, kann den Gepäckservice der Bahn AG nutzen. Dieser funktioniert in Zusammenarbeit mit dem Hermes Versand ausgezeichnet. Das Gepäck wird vor Reiseantritt an der Haustür abgeholt und ist bei Ankunft im Hotel verfügbar. Das ist praktisch, aber nicht ganz billig. Addiert man die Kosten der Bahnfahrt mit Gepäckbeförderung und Wegbewältigung vom Bahnhof zum Zielort, erhält man eine zur reinen Autoanreise vergleichbare Summe.
Nun setzt man diese Kosten in Relation mit den entstehenden Umständen der Bahnreise. Was ist einem selbst eigentlich jeder zusätzliche Umstand wert? Das muss jeder selbst entscheiden. Viele Betroffene ziehen die Autoreise aufgrund der möglichen Selbstbestimmung aller Zeitabläufe auch bei höheren Kosten vor. Sie vermeiden lieber Abhängigkeiten von Fahrplänen und organisatorischen Abläufen. Das verhindert Schwierigkeiten bei der Fortsetzung einer Reise, wenn ein Umsteigevorgang zwar organisiert wurde, aber in der Realität dann aus irgendeinem Grund nicht geklappt hat.
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