Bei der Diagnose Hemiplegie oder Hemiparese handelt es sich jeweils um halbseitige Körperlähmungen, die durch die Schädigung einer Gehirnhälfte entstanden sind. Hemiplegie und Hemiparese sind jeweils keine eigenständigen Krankheitsbilder sondern treten lediglich als Folgeerscheinung auf, wenn es zum Ausfall einer Gehirnhälfte kommt. In der betroffenen Körperregion können Patienten Arme und Beine sowie die Gesichtsmuskulatur, Augenlider, Zunge und Mund nicht mehr eigenständig bewegen.
Während es sich bei einer Hemiplegie um eine vollständige halbseitige Lähmung handelt, ist bei einer Hemiparese die eine Körperhälfte nicht hundertprozentig gelähmt, sondern kann partiell vom Patienten noch bewegt werden. Die Auswirkungen für den Patienten sind jedoch in beiden Fällen gravierend. Die Lähmungserscheinungen treten in der jeweils dem Gehirn gegenüberliegende Körperhälfte auf. Ist beispielsweise die rechte Hirnhälfte von der Schädigung betroffen, kommt es zur linksseitigen Lähmung. Die linke Körperhälfte wird partiell oder sogar vollständig nicht mehr wahrgenommen und das Orientierungsvermögen in Raum und Zeit ist eingeschränkt. Außerdem kann es zu Problemen bei der Wortfindung sowie zum kompletten Sprachausfall kommen.
Hemiplegie- und Hemiparese-Patienten zeigen oftmals ein typisches Erscheinungsbild: Die Schulter ist nach hinten gezogen, das Bein ist gestreckt und rotiert nach außen; der Ellenbogen der gelähmten Körperseite ist gebeugt und wird eng an den Körper gepresst. Ist auch der Gesichtsnerv von der Lähmung betroffen, wirkt oftmals das Gesicht des Patienten entstellt, weil eine Gesichtshälfte träge herunter hängt. Kurz nach der eingetretenen Lähmung, bilden sich bei vielen Patienten Spastiken, weil das Gehirn trotzdem versucht, die gelähmte Körperhälfte weiterhin zu steuern. Der Arm wird an den Körper gedrückt, die Muskeln ziehen sich zusammen und die Finger verkrampfen sich in den Handflächen.
Häufigster Auslöser einer Hemiplegie ist ein Schlaganfall. Daneben können aber auch Entzündungen im Gehirn, Tumore, Aneurysmen oder Verletzungen, die während einer Operation auftreten eine Hemiplegie oder Hemiparese verursachen. Besonders ein hohes Lebensalter begünstigt krankhafte Veränderungen der Gefäße, die wiederum ursächlich sind für Schlaganfälle.
Die Symptome halbseitiger Lähmungen nach einem Schlaganfall sind eindeutig. Eine Hemiplegie bzw. Hemiparese nach einem Schlaganfall tritt plötzlich auf; eine Körperhälfte hängt kraftlos herunter und ist unempfindlich gegen Berührungen; die Sprache ist beeinträchtigt und auch geistige Störungen können plötzlich auftreten, so dass Patienten vertraute Personen nicht wiedererkennen.
Wenn Hemiplegie oder Hemiparese durch einen Gefäßverschluss entstehen, können Patienten in der Regel am Morgen plötzlich nicht mehr alleine aufstehen. Diese Form der halbseitigen Lähmung kann sich wieder vollständig zurückbilden, wenn der Verschluss behoben ist. Wenn das Gehirn jedoch unwiederbringlich geschädigt ist, wird auch die Lähmung in der Regel nicht wieder zurückgehen. Treten die Erscheinungen langsam auf, sind sie oftmals Folge eines Hirntumors.
Durch Hemiplegie und Hemiparese werden Patienten erheblich in ihrem Alltag beeinträchtigt und mit einer neuen Lebenssituation konfrontiert, die sie meistens nicht mehr alleine bestreiten können. Viele können sich ohne Hilfe weder an- noch auskleiden, sie können nicht alleine essen oder sich selbstständig fortbewegen. Wenn die Hirnrinde betroffen ist, können auch geistige Störungen die Hemiplegie bzw. Hemiparese begleiten.
Die Heilungschancen hängen maßgeblich vom Ausmaß der Lähmung, dem Alter des Patienten und seinem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Nach der akuten Behandlung im Krankenhaus schließt sich ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik an. Eine mögliche Therapieform ist das Bobath-Konzept. Hierbei wird versucht, beide Körperhälften wieder neu miteinander zu koordinieren und dem Patienten neue Haltungsmuster anzugewöhnen. Ziel aller Therapieversuche ist die Steigerung und Wiedergewinnung der Selbstständigkeit im Alltag.
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