Nach neuen Informationen wollen Wissenschaftler aus Heidelberg, Göttingen und Karlsruhe jetzt an der Entwicklung eines Rollstuhls arbeiten, der mithilfe der Ohren gesteuert werden kann. Hierzu soll ein Mikrochip dienen, der kleinste Muskelbewegungen erfasst und an die Steuerung des Rollstuhls weitergibt.

Für Menschen, die unter dem Handicap einer Querschnittslähmung leiden, böte ein derartiger Rollstuhl ganz neue Optionen für die individuelle Mobilität. Göttinger Neurologen haben jetzt erklärt, dass sie zusammen mit Wissenschaftlern aus Karlsruhe und Heidelberg an einem so genannten telemetrischen myoelektrischen Ableitsystem für die Ohrmuskeln, kurz Telmyos, arbeiten. Für das System wird hinter dem Ohr des Behinderten ein Chip angebracht. Dieser zeichnet die Signale der Muskeln auf und gibt sie an eine Empfangseinheit weiter, die dann für die Steuerung des Rollstuhls sorgt.

Die willkürliche Bewegung der Muskeln des Ohres ist individuell unterschiedlich ausgeprägt. Einige Menschen können ohne Anstrengung mit den Ohren wackeln. Bei denen, die hierzu nicht in der Lage sind, kann diese Eigenschaft nach Ansicht der Neurologen der Universitätsklinik Göttingen erlernt und trainiert werden. Jede Bewegung von Muskeln ist mit einer elektrischen Reizleitung verknüpft. Diese elektrische Aktivität soll von dem Chip, der hinter das Ohr eingesetzt wird, erfasst werden. Dieser Chip könnte dann als Grundlage eines Steuerungssystems für Rollstühle herangezogen werden.

Die Arbeit der Wissenschaftler wird von dem Unternehmen Otto Bock Health Care unterstützt. Zusätzlich erhalten die Forscher noch Fördermittel von Bundesforschungsministerium in Höhe von 800.000 Euro.  Wenn Telmyos Wirklichkeit wird, könnte es die Mobilität von hochgradig schwerstbehinderten in revolutionärer Weise unterstützen. Selbst Behinderte, die weder Beine noch Arme bewegen können, wären mit diesem System wieder mobil